Bala-Balakang: Abgelegenes Traumarchipel

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Sonnenuntergang auf Malamber: Magisch! | Gianluca Rolli

Das Bala-Balakang-Archipel zwischen Sulawesi und Borneo ist etwa 100 Kilometer vom Festland entfernt. Die 14 abgelegenen und mehrheitlich unbewohnten Inseln sind Natur pur und ein Hort der Ruhe. Die Organisation zu einer Reise in ein derart abgelegenes Gebiet ist anspruchsvoll, aber: Palmen, unbetauchte Korallenriffe und einsame Strände, das Gefühl neues Gebiet zu betreten entschädigen für alles.

Startschwierigkeiten

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Am Pantai Manakarra sieht Mamuju schön aus

Mamuju, Sulawesi Barat, ist eine Kleinstadt ohne Sehenswürdigkeiten. Erst seit etwa 20 Jahren gibt es die Stadt, erbaut wegen dem Ressourcenreichtum der Gegend, und wieder liegengelassen. Es gibt kaum kulturelle Angebote, und für die Einwohner wenig Perspektiven. Ich sehe Kinder zwischen 7 und 10 Jahren Schnaps trinken und Leim schnüffeln, am Strassenrand. Von hier aus soll die Reise nach Bala-Balakang beginnen. Die Organisation ist schwierig. Das Archipel ist sehr abgelegen und auch Mamuju hat keine touristische Infrastruktur. Zwischen Gesprächen mit Politikern, Bootsbesitzern, Ladenbesitzern, und dem „Bürgermeister“ von Bala-Balakang kommen wir dem nötigen Material und den nötigen Bewilligungen näher. Ein Angestellter der Regierung wird uns begleiten, um zu schauen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Auch unsere Tauchausrüstung wird von der Regierung gesponsert. Es ist eine mühsame Mischung: Einerseits hat die Regierung selbst ein Interesse an der Promotion des wunderschönen Archipels, und an einer möglichen touristischen Entwicklung, andererseits will jeder irgendwie irgendwas profitieren. Trotzdem: Um 2 Uhr morgens, am 7.10.2016, dem Tag des Aufbruchs steht alles bereit. In 5 Stunden fahren wir los, und werden die stressige Zeit vorab nicht bereuen.

Undisziplinierte Kinder

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Die Kids haben einen Riesenspass mit uns

Am 7.10.2016 stechen wir mit unserem vollbeladenen Boot in Richtung Bala-Balakang auf. Auf der bewohnten Insel Ambo treffen wir den Bürgermeister und „Chef“ des Archipels, und werden zum Mittagessen eingeladen. Die Erlaubnis von ihm, für das Bereisen des Archipels ist entscheidend. Das Eis ist schnell gebrochen, wir werden freundlichst aufgenommen. Bald läuft uns die ganze Kinderschar des Dorfes nach. Selten habe ich so freie, undisziplinierte und verspielte Kinder gesehen. Perfekte Fotomotive, die nicht stillhalten können. Hier braucht man nicht viel, um glücklich zu sein: Viel Sonne, sauberes Meer, Herzlichkeit und Freiheit.

Mafia und Dynamit

Am Nachmittag steigt der Wellengang, und wir brechen auf nach Patti Lagaan. Wir sind Nass bis auf die Knochen von den hohen Wellen, als wir am frühen Abend die Insel erreichen. „Scheisse, alles ist zerbombt hier“, meint Sardhy, unser Guide. „Bei meiner letzten Reise waren hier noch keine Menschen, und die Riffe intakt.“. Um zu Überleben fahren die Bewohner Borneos und Sulawesis zu den Inseln, und holen sich mittels dem Fischen mit Dynamit einen reichen Fang nach Hause. Die Korallenriffe werden so in kürzester Zeit zerstört. Etwas abseits der Insel werden Waren von einem kleinen Schiff auf ein Grösseres übergeben. Ich habe von diesem Archipel als Übergabe-Ort für die Mafia gehört. Das abgelegene Archipel in der vielbefahrenen Meeres-Strasse zwischen Borneo und Sulawesi eignet sich perfekt für den Schwarzmarkt. Auf der Insel sind Zelte aufgestellt. Einige Bugis, ein Volk von Seenomaden, ist in kleinen Booten mehrere hundert Kilometer weit von Makassar hier hoch gefahren, um mit simplem Angelmaterial zu fischen. Die Seenomaden Indonesiens gibt es also tatsächlich noch!

Verfluchte Insel

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Trotz Flucht: Eine wunderschöne Insel

Die Insel Sumanga, die wir heute besuchen gilt als verflucht. Nach dem lokalen Glauben, wüten hier die Urahnen der Einheimischen und rauben einem die Lebenskraft. „Die Schiffscrew wird die Insel deswegen nicht betreten. Euch tangiert unser Glaube nicht, fühlt euch frei!“, teilt Sardhy mir mit. Die Insel ist schön und wild, Kokosnusspalmen wechseln sich überraschenderweise mit Pinien ab. Vermutlich sind die Samen übers Meer auf die Insel gelangt. „Sardhy, siehst du die Geister der Insel?“, fragt Aleks, eine Mitreisende. „Nein, aber ich kann sie spüren.“. Tatsächlich erschöpft Sardhy schnell auf der Insel und scheint froh zu sein, als wir wieder das Boot besteigen. Die alten animistischen Traditionen sind in ganz Indonesien immer noch gegenwärtig. Auf Malamber lebt nur noch eine einzige Familie. Früher ein kleines Dorf, stehen die Pfahlhütten leer. Ein perfekter Ort, um unser Lager aufzuschlagen. Wir beziehen eine Hütte, und werden von der Familie zum Essen eingeladen: 7 verschiedene Fischgerichte und Reis. Schon seit sehr langer Zeit hatte die Familie keinen Besuch mehr, und freut sich genauso über die Abwechslung, wie wir uns über das gute Essen.

Sonnenuntergang und purer Frieden

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Diese Scheren knacken Kokosnüsse! | Gianluca Rolli

Die Pfahlhütten, ein wunderschöner Strand, Korallenriffe und Palmen: Wir fühlen uns angekommen und bleiben. Tagsüber tauchen und schnorcheln wir in den Riffen und fangen Fische,  dazu einen grossen Tintenfisch und zwei Hummer. Abends erzählen wir uns am Strandfeuer Geschichten und lauschen dem Geräusch der Wellen. Malamber ist auch Heimat einer sehr seltenen Krabbenart: Die Kokosnusskrabbe kommt nur auf wenigen Inseln weltweit vor. Sie ernährt sich ausschliesslich von Kokosnüssen. Die Nüsse knackt sie mit ihren starken Scheren. Die Tiere sind nie aggressiv, aber: Wer eine Kokosnuss knacken kann, kann auch eine Hand brechen. Ausgewachsene Tiere werden bis zu einem halben Meter gross. Wer die Tier nicht kennt, sollte tunlichst keins fangen. Die grösste Sensation hier sind aber ganz klar die Sonnenuntergänge. Keinen einzigen lassen wir uns entgehen. Jeden haben wir für uns alleine. Hier gibt es keine weiteren Touristen, und die einzige ansässige Familie stört keinen von uns. „Das Schönste an Bala-Balakang ist der Frieden“, meint mein Reisefreund David. „In Indonesien gibt es viele wunderschöne Inselparadiese, aber ich habe während meiner 7 Jahren Indonesienreise kein derart ruhiges und abgeschiedenes gefunden. Ich werde definitiv zurückkehren.“

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Bala-Balakang gibt es auch als Reiseangebot. Mit mehreren weiteren Inseln, dem Tauchen mit Haien und Meeresschildkröten und anderen Überraschungen ist es umfangreicher als diese Erkundungstour. Unter Reiseangebote, unbewohnte Trauminseln, erfährst du mehr!

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Bala-Balakang: Abgelegenes Traumarchipel

    1. Thanks Sardhy. Good luck for your conservation projects in Mamasa and Balabalagan. There are enough parafises destroyed already. Lets hope the best for this one!

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