Flucht nach Marokko

Ein umgekehrter Kulturschock kann intensiv sein. Nach 1.5 Jahren in Indonesien bin ich zurück in der Schweiz. Meine Heimat für einen Monat! Ein wunderschönes Land, aber ich will wieder weg. Zu stark ist der Drang zu neuen Sonnen. Als mich eine Freundin nach Marokko mitnehmen will, bin ich sofort überzeugt. 

In den wunderschönen Abend

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Flanieren in der Medina

Der sanfte, warme Wind verströmt orientalische Duftmagie durch die Medina, den Basar Marrakeschs. Dicht an dicht reihen sich die traditionellen, rotbraunen Häuser. Kleidung, Süssigkeiten, Gewürze und vor allem die natürlichen Schönheitsprodukte des Berbervolkes werden hier verkauft. Wir lassen uns durch die Gassen treiben und beschwatzen. Der Entschluss, nur bei den charmantesten Händlern einen Einkauf zu erwägen, eröffnet uns eine neue Welt der Handelskunst. In verschiedenen Sprachen, ästhetischen Floskeln, perfekt gesetzten Anekdoten tauchen wir in die marokkanische Marktkultur ein. Begleitet von Minzetee und dem Duft verschiedenster Parfüms von Amber bis Patschuli, kaufen wir ein. Richtig lebendig wird der Basar erst am Abend. Am Hauptplatz, dem Jama el Fna, geben sich die Kulturen Nordafriks ein Stelldichein. Zwischen Sufis, Schwarzafrikanern, Nomaden, exotischen Klangwelten und akrobatischen Darbietungen lassen wir uns zu einem der Dachrestaurants treiben. Der Wind, die Musik, und eine untergehende Sonne über der roten Stadt, verleiten uns zu einem wunderschönen Abend. Romantisches Marrakesch!

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Marrakech verleitet zu einem wunderschönen Abend | Sara Manzano

Game of Thrones in Ait-Ben-Haddou

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Berberdörfer schmiegen sich an den Hohen Atlas

Reisen zu verkaufen hat viele Vorteile. Wir buchen eine Wüstentour bei einem Reisebüro. Als ich dem Verkäufer von meinem Blog mit Reiseangeboten erzähle, verspricht er mir, Wünsche von der Hand abzulesen, die ich noch gar nicht habe. Mit der Aussicht auf gemeinsame Geschäfte natürlich. Wir steigen in den Bus und fahren los. Die Reisegruppe im Bus ist illuster: Mit Reisenden aus Kenya, Neuseeland, Australien, den USA, Mexiko, England, Österreich und Schweiz, wird uns der Gesprächsstoff nicht ausgehen und die lange Fahrt kurzweilig. Die rote Stadt weicht den Bergen des Hohen Atlas. Kleine Berberdörfer schmiegen sich an die Hänge. Die Trockenheit wird von Oasen mit Palmen und Flüsschen unterbrochen. Das UNESCO-Weltkulturerbe Ait-Ben-Haddou ist Schauplatz zahlreicher Hollywoodfilme und Fernsehserien von „Gladiator“ bis „Game of Thrones“. Nur noch vier Familien wohnen in den historischen Gebäuden aus dem 17ten Jahrhundert. Die pittoresk an einem kleinen Hügel liegende Stätte, besteht aus 50 Palästen und 6 Kasbahs, 6 Forts und ist jeden Besuch wert. Ein Berbermann erklärt uns die Bedeutung und die Herstellungsmethode verschiedener Teppiche. Kaktusseide, Schafs- oder Kamelwolle wird in Handarbeit zu Teppichkunstwerken transformiert. Besonders sanft zum Anfassen sind die Teppiche von der Wolle junger Dromedare.

Ait-Ben-Haddou
Ait-Ben-Haddou wurde im 17ten Jahrhundert erbaut

Swimming Pool in der Wüste

Am Abend werden wir von der Reisegruppe getrennt. Wir sind nicht lange wütend. Mitten in der beginnenden Wüste stellen wir uns der Hotelrezeption vor. „Ihr seit also die Gäste für das Spezialarrangement. Ihr Reisebüro hat heute morgen angerufen.“, meint der Rezeptionist, als er uns zum Zimmer begleitet. Das Hotel hat nostalgischen Flair, und einen Swimming Pool. Ein kühles Bad mit Aussicht auf die weiten der Wüste ist zauberhafter Luxus. Auf der grossen Terrasse des Hotels geniessen wir ein mehrgängiges Essen und den Sonnenuntergang. Das Hotel mit Essen hätte mehr gekostet, als wir für die ganze Tour bezahlt haben. Darum der böse Geheimtipp an alle kreativen Reisenden: Wenn ihr kein Reisegeschäft habt, erfindet eins!

Swimming Pool
Purer Luxus

Keine Verstopfung auf dem Dromedar

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Magische Wüste und ein schmerzender Po

In Merzouga steigen wir auf die Dromedare. Gut vorbereitet: „Steig ja nicht mit einer Verstopfung auf ein Dromedar!“, riet mir eine gute, weise Freundin in der Schweiz. „Kümmer dich vorher darum, wenn du kein Masochist bist.“. In der kleinen Karawane aus Touristen, „geniesse“ ich den Wüstenseegang des Dromedars. Die Dünenlandschaft ist atemberaubend schön, und ja, die Wüste hat etwas magisches. Der Dromedarritt nicht. Nach einer halben Stunde schmerzt der Po. Nach zwei Stunden wanken wir mit zwangsgespreizten Beinen von den Dromedarrücken zum kleinen Zeltdorf im Fast-Nichts der Wüste. Wir werden herzlich aufgenommen. Nach dem Essen werden wir zu Tanz und Trommeln eingeladen.

Freiheit!

Einer der Gastgeber erzählt uns von seinem früheren Leben als Beduine. Mit seiner Familie ist er durch die Sahara gezogen. Von Marokko bis nach Mali und Mauretanien. „Welches Leben gefällt dir besser? Das Sesshafte, oder das als Nomade?“, „Freiheit! Ich vermisse mein Leben als Nomade. Aber meine Geschwister sind nun hier verheiratet, und meine Familie sesshaft geworden. Deshalb muss ich hier bleiben.“. Ich spüre den Nomaden in seiner Stimme. Sie ist wie ein stolzer, gottgläubiger Wind, der über den Sand weht, und zeugt von Vergänglichkeit und Akzeptanz. Die lebensfeindliche und gleichzeitig weite Wüste kann einen speziellen Schlag Menschen erschaffen. Wenn ich mir vorstelle, wie er mit seiner Familie jahrelang durch die Wüste zog, ohne Auto und manchmal bis zu 1000 Kilometer auf einer Reise, fühle ich eine neue Welt. Wir steigen in der Nacht auf eine Düne und erzählen uns Träume. Voller Eindrücke schlafe ich auf einem Teppich unter dem Sternenhimmel ein.

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Auch er ist kein Nomade mehr

Dünenabfall

Vor Sonnenaufgang werden wir geweckt. Der Rest der Reisegruppe steigt auf die Dromedare, wir nicht. Barfuss laufen wir durch die Dünen, der Sand ist noch kühl von der Nacht. Ein letztes Mal geniessen wir die Freiheit der Wüste. Wir nähern uns Merzouga. Die ersten PET-Flaschen und Plastiksäcke tauchen auf. Immer mehr werden es. Zivilisation heisst immer auch Globalisierung und Müll, auch in kleinen Wüstendörfern. Wir sammeln auf, was wir finden, und schmeissen den Plastik in die nächste Mülltonne Merzougas. Die Schönheit der Welt verpflichtet manchmal.

Die Rückfahrt nach Marrakesch dauert 8 Stunden, unterbrochen von den Gorges du Dades. Die Schlucht ist tief in das trockene Atlasgebirge geschnitten. Nach der langen Fahrt im Bus ist das Wasser im Fluss besonders kühl und erfrischend. Erschöpft kommen wir am Abend wieder in Marrakesch an. Marrakesch macht nicht müde und wir vergessen die strapaziöse Fahrt schnell. Der Wind, die Musik, und eine untergehende Sonne über der roten Stadt, verleiten uns zu einem wunderschönen Abend.

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In Marrakech ist die strapaziöse Fahrt schnell vergessen

 

5 Gedanken zu “Flucht nach Marokko

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